Es gibt Hobbys, bei denen man abends gemütlich auf der Couch sitzt. Und es gibt Amateurfunk. Hier sägt man nachts um halb zwölf Aluminiumrohre ab und nennt das „Vorbereitung“. Am 10. Oktober lud der ADL328 Hollabrunn zum Antennen-Workshop. 13 Funkamateure folgten
der Einladung, und niemand ahnte, was hinter den Kulissen dafür nötig gewesen war.
Die Vorbereitung: Aluminium, Absagen und Nachtschichten
Die Lieferschwierigkeiten bei den Aluminiumprofilen waren der erste Gegner. Der zweite waren die Zu- und Absagen, die bis zur letzten Minute eintrudelten. Das Material musste für 10 Yagis, 10 Endfeds und 10 Mantelwellensperren reichen, und jede Absage und jede Zusage ließ die
Planung wackeln.
Für die 10 Yagi-Antennen mussten 180 Elemente auf Länge gesägt und mit Gewinde versehen werden. Die Rechnung dazu: 2 × 9 × 10 = 180. Mathematik kann so grausam sein. Dank einer Schablone ging das „relativ zügig“. Herbert OE1HWS hatte 7 und Harald OE3HBS 3 Booms
vorrätig. Wer jetzt denkt, in Hollabrunn und Umgebung liege überall Aluminiummaterial herum, hat sich getäuscht. Das Material für die Elemente wurde im letzten Moment geliefert.

Die 40 Abstandhalter entstanden im Metalab [1] am Lasercutter. Zuletzt wurden nahezu 500 Teile (Schrauben, Muttern, Beilagscheiben) eingetütet.
Bei den Endfeds ging es etwas entspannter zu, aber auch sie forderte Stunden. Nanak OE3NQA hatte vom YOTA-Camp noch 3D-gedruckte Gehäuse übrig, und wir durften sie verwenden. Danke dafür! Für das 40m-Band wurden 10 Spulen mit je 35 µH auf der Drehmaschine im
Metalab gewickelt. Ein vorzügliches Tool [2] half bei der Dimensionierung. Nach dem Wickeln wurde nachgemessen, denn Vertrauen ist gut, Messen ist besser. Das Ergebnis: Die Induktivität lag exakt im Toleranzbereich.

Für die Mantelwellensperren wurden Gehäuse gebohrt und die Montageplatten für die Ferritkerne am Lasercutter gefertigt.

Vormittag: Theorie im 6. Stock
Den Vormittag verbrachten wir im Vortragssaal im 6. Stock. Dort gab es einen Überblick über die verschiedenen Antennenarten und ihre Eigenschaften. Am Ende folgte eine Einleitung zum Nachmittagsprogramm, und in einigen Gesichtern dämmerte langsam, worauf man sich da eingelassen hatte.
Nachmittag: Schrauben, löten, wickeln, messen!
Der Nachmittag gehörte der Klubstation OE3XHU und ihrer Umgebung. Das Ziel: In 3 Stunden sollte jeder Teilnehmer eine 9-Element-Yagi und eine Endfed für 10, 20 und 40m samt Mantelwellensperre bauen. Ambitioniert? Sagen wir: sportlich. Wir sind ja auch in einem
Sporthotel.
Zunächst versuchten sich viele als Einzelkämpfer. Wer schon einmal versucht hat, mit zwei Händen eine Yagi zu halten, ein Element zu verschrauben und gleichzeitig zu löten, weiß, wie das ausgeht. Also wurden 2er-Teams gebildet: Einer hält, der andere lötet, schraubt oder wickelt. Die Arbeitsteilung funktionierte erstaunlich gut, solange keiner behauptete, er habe das „gleich“.

Ab und zu wurde der Blick in die Bauanleitung „vergessen“. Das hatte den Vorteil, dass man den Bau gleich zweimal erleben durfte, einmal vorwärts und einmal rückwärts, wenn zerlegt oder
abgewickelt werden musste. Dazu kam ein tragischer Zwischenfall: Ein Ferritkern konnte das abrupte Ende der Erdbeschleunigung nicht verkraften und zerbrach. Er ruhe in Teilen. Zum Glück gab es für fast alles Ersatz.

Am Ende hatte jeder Teilnehmer zumindest eine Antenne fertiggestellt. Besonders geschickte Teams schafften sogar beide.
Das Gruppenfoto: Plan B im Stiegenhaus
Das obligatorische Gruppenfoto sollte auf der Dachterrasse stattfinden. Das Wetter hatte andere Pläne, also musste das Stiegenhaus herhalten. Die glücklichen Teilnehmer posierten dort mit ihren Antennen und wirkten dabei, als hätten sie Amateurfunk-Weltmeisterschaften gewonnen. Das haben sie in gewisser Weise auch.

Danke!
Ein riesiges Dankeschön geht an:
- das Sport- und Seminarhotel Hollabrunn für den Vortragssaal,
- das Metalabs für die kurzfristige Bereitstellung von Drehmaschine und Lasercutter,
- Nanak OE3NQA für die 3D-gedruckten Gehäuse,
- Metafunk für die gebohrten Booms der Yagi-Antennen.
Und an alle Teilnehmer: Danke fürs Mitmachen. Ihr habt bewiesen, dass man auch ohne Einzelkämpfertum ans Ziel kommt, und dass ein Ferritkern auch nicht für die Ewigkeit gebaut ist.
73, Harald OE3HBS